Bauen mit Backsteinen (Ziegelsteine): Alle Vorteile

Kostengünstig ohne Wartungsaufwand

Als keramisches Produkt bei ca. 1.100 Grad gebrannt ist Backstein, häufig auch als Ziegelsteine bezeichnet, ein absolut farbechter, form- und UV-beständiger Baustoff. Backstein altert „in Würde“, denn gebrannter Ton ist nicht nur nahezu unverwüstlich, er wird sogar schöner: alte Ziegel und Klinker von abgerissenen Gebäuden sind begehrt und werden in der Regel wiederverwendet.

Optimaler Wärme- und Feuchtigkeitsschutz

Backstein speichert Wärme und Feuchtigkeit und gibt sie gleichmäßig wieder ab. Wände aus Backsteine wirken klimatisierend, d.h. sie gleichen Temperaturschwankungen aus: bei großer Hitze bleibt es im Inneren eines Backsteinhauses vergleichsweise lange angenehm kühl, bei Frost kühlt ein Backsteinbau nur sehr langsam aus. In zweischaliger Bauweise errichtet, erfüllen Häuser aus Backsteinen problemlos den Passivhausstandard. Die Mauern sind dampfdiffusionsoffen, d.h. sie nehmen Feuchtigkeit nicht nur gut auf, sondern geben sie auch schnell und gleichmäßig wieder ab und haben durch ihren Kalkanteil einen fungiziden und antiseptischen Effekt auf das Raumklima. Auch Algen haben auf einer Backsteinoberfläche keine Chance.

Natürlich gut mit natürlichen Rohstoffen

In jedem Backstein stecken die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Sonst nichts. Dass ausschließlich natürliche (und noch dazu heimische) Rohstoffe für die Herstellung verwendet werden, sorgt für eine natürliche Farbgebung und fast unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Farben und Bränden.

Feuerbeständig

Als bereits gebranntes Produkt ist Backstein unbrennbar. Nicht umsonst werden Brandschutzmauern traditionell aus Backsteinen errichtet.

Ruhig schlafen mit gutem Schallschutz

Guter Schallschutz ist ein Faktor für bessere Wohnqualität und ein wichtiges Merkmal hoher, dauerhafter Wertigkeit eines Hauses. Backsteine bieten optimalen Schutz vor Außenlärm.

Die gängigsten Herstellungsverfahren

Das Herstellungsverfahren des Klinkersteines ist, neben den Formaten, Farben oder auch Typen, das wichtigste Unterscheidungsmerkmal für den späteren Klinkerstein. Die gängigsten Herstellungsverfahren sind Handform, Strangpress, Wasserstrich sowie der Ringofenbrand. Die Ergebnisse sind, je nach Art der Herstellung, auch komplett unterschiedlich.

Handform

Früher wurde mein Handformverfahren, wie der Name schon sagt, der Stein per Hand in die Form eingeschlagen wurde und wieder ausgeformt werden musste, wird das ganze heute von modernsten Maschinen übernommen.Das Formgebungsprinzip bleibt dabei unverändert: Beim Einschlagen des Tonballens in die besandete Form wird dieser an die Seitenwände gequetscht. Dadurch ergeben sich reliefartige Faltungen, die auch nach dem Brand sichtbar bleiben und jedem Klinker seine individuelle, kräftige Oberflächenstruktur verleihen. Das charakteristische, wie von Hand geformte Aussehen des Ziegels bleibt auch bei der maschinellen Herstellung erhalten. Kein Stein gleicht dem anderen. Handformziegel strahlen Wärme und Natürlichkeit aus und werden häufig im Ein- und Mehrfamilienhausbau verwendet.

Strangpress

Beim Strangpressverfahren wird der Ton unter Druck zu einem langen Strang gepresst, von dem die Rohbacksteine quasi abgeschnitten werden. So entstehen glattere, gleichförmigere Backsteine als bei den anderen Herstellungsverfahren. Je nachdem, ob ein zusätzlicher Oberflächeneffekt gewünscht ist, wird der Strang zuvor besandet, genarbt oder abgeschält.

Wasserstrich

Während beim Handform-Verfahren Sand als Trennmittel dient, damit der geformte Klinkerrohling aus der Form gleitet, wird dafür beim Wasserstrich- Verfahren Wasser verwendet. Dadurch entsteht die typische, wassergestrichene Oberfläche mit individueller, partiell aufgerauter Optik. Wasserstrichklinker sind jedoch im Vergleich zum Handform etwas glatter. Der Original Wasserstrich ist ein nach traditionellem Verfahren hergestellter Klinkerstein, der Anwendung findet im Ein- Und Mehrfamilienhausbau, bei der Sanierung alter Gebäude und vor allem im Objektbau als Architektenstein.

Ringofen

Bei der Ringofen-Herstellung sprechen wir nicht vom Produktionsprozess des Ausgangsklinkers, sonder vom Brennverfahren. Im Gegensatz zu den meisten Klinkersteinen heutzutage, wird hierbei der Rohling nicht durch Tunnelöfen geführt und gebrannt, sonder umgekehrt: Nicht die Klinker werden an der Kohle entlanggeführt sondern die Kohle entlang der Klinker. Dadurch ist das ganze zeitaufwändiger und man muss mehr manuell machen. Durch die sich andauernd verändernden Rahmenbedingungen ist jeder Klinkerstein ein absolutes Unikat. Dadurch und durch die zeitaufwendige Produktion in kleinen Chargen ist der Ringofen-Klinker ein sehr Exklusiver Klinker.

Klinkersteine

Was sind Klinkersteine?

Klinkersteine sind aus rein natürlichen Materialien künstlich hergestellte Natursteine. Sie werden nicht verputzt, sondern ausschließlich als Sichtmauerwerk verbaut. Natürlich kann man auch zum verblenden einer Mauer oder einer Wärmedämmung Riemchen aus Klinkern nehmen. Diese sind im Grunde ganz dünne Klinker. Nicht zu verwechseln mit Riemchen aus Kalksandstein, auch KS-Verblender genannt. Die muss man, da sie wasserdurchlässig und saugfähig sind, im Gegensatz zu den Klinkerriemchen imprägnieren.

Wie wird der Klinkerstein hergestellt?

 

Um einen Klinkerstein herzustellen brauch man diverse silikatreiche Tonmineralien, Lehm und auch Feldspate. Das ganze wird zermahlen und in diversen Mischungsverhältnissen zu Rohlingen geformt und anschließend gebrannt. Ob ein harter Klinker, Keramiklinker oder gar ein poröser Ziegel entsteht, kommt auf die Mischung sowie die Temperatur an.

Klinkersteine werden bei einer Temperatur ab 1.200 Grad Celsius gebrannt. Die robuste Eigenschaft des Klinkers entsteht durch die sogenannte Versinterung, die bei über 1.200 Grad Celsius entsteht. Bei der Versinterung wird die Temperatur dicht unter dem Schmelzpunkt der Zutaten gehalten, weshalb diese schmelzen und die Poren an der Oberfläche verschließen. Dadurch nehmen die Steine so gut wie kein Wasser mehr auf.

Was sind die Eigenschaften der Klinkersteine?

 

Der Klinkerstein ist gegenüber äußeren Einflüssen sehr widerstandsfähig und kann locker über 100 Jahre alt werden. Sie behalten über Jahre ihre Farbechtheit, sind frostfest und sehr hart. Es kann passieren, dass die Fassade kaum merklich nachdunkelt. In den ersten Jahren kann es zum sogenannten Ausblühe kommen. Unter Ausblühen versteht man, das sich in feinste Rissen in der Wand Salzkristallabbildungen niederlassen. Da die Klinker nach dem Brennen frei von Salzen sind, geht dies in den meisten fällen vom Mörtel aus. Sollten die Steine feucht geworden sein, durch falsche Lagerung, oder aber direkten Erdkontakt haben, kann dies auch von den Steinen ausgehen. Sollte man die Fassade mit Salzsäure gereinigt haben, kann das Ausblühen auch davon kommen. Meistens verschwindet das Ausblühen durch Regenwasser von selbst. Wem dies zu lange dauert, der kann die Fassade auch mit Wasser reinigen.

Die Klinkersteine speichern zwar Wärme, dämmen selbst aber nicht sehr gut und erfüllen nicht die Anforderungen an eine Dämmung. Daher wird eigentlich immer hinter der Mauer gedämmt. Trotzdem sind sie ideal für eine nachträgliche Fassadensanierung, wenn man sie im Rahmen eins Wärmeverbundsystems als Vormauerwerk mit einer Dämmschicht zwischen dem Klinker und der alten Wand nutzt.

Sortierungen und Formate

 

Normalsortierung

Die Frontseiten der Steine zeigen nach vorne.

Fußsortierung

Dabei werden in einem Ziegelverblendmauerwerk ausschließlich die Ziegelrückseiten verarbeitet, diese haben meist eine sehr charakteristische Optik, da sie nach dem Pressvorgang mithilfe von Bändern transportiert und auf Latten stehend im Trockner getrocknet werden. Dabei drücken sich die Bänder und Latten in den Ziegelrohling aus noch weichem Ton ein. So entstehen die besonderen Abdrücke, die den Steinen ein individuelles Relief auf der Rückseite verleihen.

Wechselsortierung

Bei einer Wechselsortierung sind zu unterschiedlichen Anteilen Vorder- und Rückseiten des Ziegels im Verblendmauerwerk verarbeitet. Dies ermöglicht es, bestimmte Farbanteile des natürlichen Farbspiels des Ziegelbrandes zu erhöhen oder zu vermindern, indem man diese im Mauerwerk sichtbar nach vorn oder nach hinten dreht.

Mischsortierung

Bei einer Mischsortierung werden unterschied- liche Ziegelbrände, die sich in der Regel in der Rohstoffzusammensetzung unterscheiden, im Mauerwerk zu unterschiedlichen Anteilen gemischt verarbeitet. Dadurch lassen sich sehr kontrastreiche Farbzusammensetzungen der Ziegelfassade erzielen. In diesem Fall handelt es sich nicht mehr um ein natürliches, sondern um ein künstlerisches Farbspiel.

Gängige Formate

 

Format Bezeichnung Abmessung ca. Pro m²
NF Normalformat 240 x 115 x 71mm 48 Stück
DF Dünnformat 240 x 115 x 52mm 64 Stück
Modul Modulformat 290 x 90 x 52mm 53 Stück
LF Langformat 490 x 115 x 52mm 33 Stück
LDF Lang-Dünnformat 290 x 90 x 52mm 53 Stück
2DF 2mal-Dünnformat 240 x 115 x 113mm 33 Stück
WDF Waal-Dickformat 210 x 100 x 65mm 61 Stück
WF Waalformat 210 x 100 x 50mm 74 Stück
OF Oldenburgformat 220 x 105 x 52mm 67 Stück
DNF Dänisches Normalformat 228 x 108 x 54mm 63 Stück
RF Neu Reichsformat 240 x 115x 65mm 50 Stück
RF Alt Reichsformat v. 1871 250 x 120 x 65 mm 50 Stück
SF Sonderformat 290 x 115 x 40 mm 63 Stück

Vom Ton zum Stein

Rohstoffgewinnung

Ton, der Hauptbestandteil des Backsteins, wird meist im regionalen Tagebergbau rund um die Ziegelei gewonnen. Häufig entstehen in den stillgelegten Gruben Biotope, die Tieren und Pflanzen neue Lebensräume bieten.

Nassaufbereitung

Dem Rohmaterial werden weitere Komponenten beigemengt, um die Eigenschaften des künftigen Ziegels zu optimieren. Diese „Backmischung“ wird dann im Kollergang, den Walzwerken und Mischern zerkleinert und homogenisiert.

Befüllung

Das fertig aufbereitete Material wird mit großen Radladern auf Transportbänder befördert.

Formgebung

In der Presse erhält der Stein sein späteres Erscheinungsbild. Zwei Maschinen kommen dabei zum Einsatz, die Drehtischpresse für Vollsteine, sowie die Strangpresse für Lochsteine.

Trocknung

Die fertig gepressten Rohlinge enthalten noch bis zu 25% Anmachwasser, welches ihnen vor dem Brennprozess entzogen werden muss. Dazu werden die Rohlinge – je nach Format – in ein bis vier Tagen in großen Kammern getrocknet.

Setzmaschine

Die getrockneten Rohlinge werden auf den Ofenwagen gesetzt. Je nach gewünschtem Farbspiel und Format gibt es unterschiedliche Setzweisen. Die Setzmaschine gewährleistet dabei reproduzierbare Ergebnisse und eine schonende Behandlung der Rohlinge.

Tunnelofen

Der mit Rohlingen beladene Ofenwagen fährt nun in den Tunnelofen ein. Bei seiner Reise durch den Ofen durchlaufen die Rohlinge die sogenannte Brennkurve. In der Mitte des Tunnelofens herrschen dabei Temperaturen von bis zu 1100°C.

Ofenausfahrt

Circa 80.000 Steine, die genaue Stückzahl richtet sich nach dem Format der Rohlinge, verlassen Tag für Tag handwarm die Ofenausfahrt.

Fertig gebrannt

Aus dem Rohling ist jetzt ein gebrannter Ziegel mit seiner charakteristischen Farbe geworden. Sinterung, Oxydation und ggf. Reduktionsbrand haben aus dem Rohling einen nahezu unverwüstlichen Ziegel gemacht.

Endkontrolle

Mit Abpackgreifern werden die Ziegel behutsam vom Ofenwagen genommen und Stein für Stein auf Ihre Güte kontrolliert, denn nur die Besten verlassen das Werk.

Verpackung

Die fertigen Backsteine werden auf Paletten gestapelt und sicher in Folie verschweißt.

Transport

Schon bald nach der Fertigung verlassen die Steine das Werk und gehen per LKW auf die Reise, um zeitloser und beständiger Teil Ihres Traumhauses zu werden.

Zweischalig bauen mit Klinker und Backstein

Die zweischalige Wand besteht aus drei Schichten. Jede einzelne übernimmt eine wichtige Funktion und gemeinsam verbinden sie die Robustheit der massiven Außenwand mit einem dreifachen Wärmeschutz:

  • Die Hintermauer ist die tragende Wand, also die bauliche Grundsubstanz.
  • Die Dämmschicht bildet die Pufferzone zwischen Außen- und Innenklima. Sie kann bis zu 20 cm dick ausgeführt werden. Eine dickere Dämmschicht erhöht den Energiespareffekt nicht weiter.
  • Die Vormauerschale aus frostbeständigem Backstein oder Klinker bildet die Außenfassade und schützt Dämmschicht und Hintermauer dauerhaft vor allen Witterungs- und Umwelt-Einflüssen. Sie wirkt zudem temperaturausgleichend, d.h. sie hält im Sommer die Hitze ab und kühlt im Winter langsamer ab. Eine zweischalige Wand aus Vormauerziegel (11,5 cm), PU-Dämmschicht (10 cm) und Hintermauer (15 cm) kommt nur auf eine Dicke von unter 40 cm. Eine gute Dämmung kann also auch mit schlanken Wänden erfolgen.

Durch innovative, aber bewährte Materialien kann auch
mit einer schlanken Wand der Passivhausstandard erreicht werden.